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Zuerst Hilfe zur Selbsthilfe, jetzt Hilfe für Menschen in Not

Spenden für Repair-Cafés werden zu Spende für Landkreis-Hilfsfonds

Georg Pirzer (li.) überreichte die Spende für den Landkreis-Hilfsfonds Hilfe zum Helfen an Landrat Richard Reisinger
Foto: Christine Hollederer

AMBERG-SULZBACH. Ist das noch reparierbar oder muss das weg? Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen – meistens, wenn ein technisches Gerät den Dienst versagt. Dabei sind es oft nur Kleinigkeiten, die kaputt sind und die mit relativ wenig Aufwand wieder in Ordnung gebracht werden können. Seit gut zwei Jahren gibt es im Landkreis deswegen die so genannten Klima- und Repair-Cafés: Dort erhalten Besucher von ehrenamtlichen Helfern Unterstützung bei der Instandsetzung ihrer defekten Gegenstände. Repariert werden in der Regel Elektrokleingeräte, Fahrräder, aber inzwischen auch immer mehr Kleidung. Die Reparaturen kosten nichts, außer dem Material, man kann aber stattdessen etwas spenden. Wie das Landratsamt jetzt informierte, wurden diese Gelder aus den acht Café-Standorten zusammengefasst und als Spende an den Landrat überreicht: Insgesamt sind es 1.152 Euro, die nun dem Landkreis-Hilfsfonds „Hilfe zum Helfen“ zugutekommen.

Überreicht hatte die Spende Georg Pirzer aus Hirschau – er ist ein Sprecher der Repair-Café-Standorte, gelernter Fernsehtechniker und bringt sich wie viele andere aktiv ein. 2014 wurde sein Interesse geweckt, seit 2015 ist er in Rente und nutzt jetzt die Zeit für sein neues Hobby.
Im Gespräch erklärt Georg Pirzer seine Motivation: „Es tut weh zu sehen, was alles wegen Kleinigkeiten auf dem Wertstoffhof entsorgt wird, denn wir leben im Überfluss“. Ihn fasziniere an den Repair-Cafés, „dass man als Reparateur nie konkret weiß, was auf einen zukommt. Und man erlebt immer wieder was Neues“. Auch sei ihm der Kontakt zu den Menschen wichtig: „Sinn des Cafés ist es ja, mit den Menschen gemeinsam zu reparieren, sie dafür zu begeistern und ihnen so Anleitungen zu geben: Hilfe zur Selbsthilfe!“.

Meist sind es Radios, Küchenhelfer, Haushaltsgeräte, die die Leute zu den Terminen mitbringen. Aber es gibt auch wundersame Ausnahmen: Das Skurrilste, das Pirzer je repariert hat: ein Schildkrötenbrutkasten. Der müsse nämlich genauestens funktionieren, denn bei Schildkröten bestimme die Temperatur, ob aus dem Nachwuchs im Ei ein Weibchen oder ein Männchen wird – das sei bei vielen Reptilienarten so. Meistens aber, bilanziert der erfahrene Helfer, seien bei der Reparatur aber Nostalgie-Gründe ausschlaggebend, etwa wenn es um die alte Spieluhr aus der Kindheit geht, die jetzt dem eigenen Kind Freude bringen soll.

Bei all diesen Hilfeleistungen wurden also insgesamt 1.152 Euro in den Jahren 2020 und 2021 an allen acht vom Zentrum für erneuerbare Energien (ZEN) unterstützten Standorten im Landkreis gesammelt und übergeben. Der Landrat bedankte sich gerührt für die Spende: „Ohne die Unterstützung der freiwilligen Helfer wäre ein gemeinnütziges Projekt wie die Klima- und Repair-Cafés nicht zu stemmen“, so Richard Reisinger. Er versprach auch, dass das Geld durch den Landkreis-Hilfsfonds garantiert dort ankomme, wo es gebraucht werde. „Oftmals sind es alleinerziehende Mütter, die etwas zu viel verdienen, um Unterstützung zu erhalten, aber eigentlich zu wenig zum Leben haben. Da fehlt es dann oft an Geld, etwa um  den Kindern ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen“. Auch Richard Reisinger sah hier den deutlichen Kontrast zu den Dingen, die von anderen, wohlhabenderen Menschen schon wegen einer Kleinigkeit weggeworfen werden.
Und der Landrat ging auch noch auf den Hintergrund der Klima- und Repair-Cafés ein: Das Zentrum für erneuerbare Energien in Ensdorf bildete bisher quasi den Deckmantel für die acht Cafés. Die Klima- und Repair-Cafés in den acht Kommunen des Landkreises sowie die Stelle der Projektleitung wurden durch das Bundesumweltministerium und die Nationale Klimaschutz-Initiative gefördert, so Reisinger. Der Bewilligungszeitraum lief nun Ende September vergangenen Jahres aus. „Das ZEN ist aber weiter Projektträger und unterstützend tätig, z.B. bei der Öffentlichkeitsarbeit. In den einzelnen Gemeinden sind aber jetzt mehr die Ehrenamtlichen gefordert,“ so der Landrat. Erfreulich ist für den Landkreischef auch, dass zwei weitere Kommunen ein eigenes Klima- und Repair-Café planen: „Hier steht das ZEN natürlich beratend zur Seite“.

Wie kann man nun die Dienste eines solchen Cafés in Anspruch nehmen? Auf der Homepage https://www.zen-ensdorf.de/reparatur-cafe.html sind alle Repair-Café-Termine aufgelistet. Momentan müsse man sich wegen der Pandemie vorher telefonisch anmelden. Das habe aber auch den Vorteil, dass die Reparateure sich besser auf die jeweiligen Termine und Aufgaben vorbereiten können.

Bericht: Landratsamt Amberg-Sulzbach

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